Wiener Geflecht: Netz der Moderne

Wiener Geflecht ist weit mehr als ein dekoratives Muster. Für viele ist es eine Kindheitserinnerung an den Schaukelstuhl bei den Großeltern, für andere ein wiederentdecktes Gestaltungselement in zeitgenössischem Design. Tatsächlich begegnet man dem charakteristischen Rattan-Gitter seit einigen Jahren wieder vermehrt, von Modeaccessoires bis hin zu Möbelentwürfen.

Seinen Namen verdankt das Wiener Geflecht den Wiener Sesselmachern des 19. Jahrhunderts, die diese Flechttechnik perfektionierten. Das typische achteckige Muster entsteht aus geflochtenem Rattan und verbindet Leichtigkeit mit Stabilität. Es ist lichtdurchlässig, elastisch und zugleich erstaunlich robust.

Mit Thonet kommt der Welterfolg

In den Wiener Kaffeehäusern wurde Wiener Geflecht zum Standard. Der Grund war pragmatisch: Auf dem glatten Material blieb die Kleidung der Gäste nicht hängen, und Staub fiel durch die Öffnungen nach unten, anstatt sich auf Polsterflächen zu sammeln. Das Geflecht war hygienisch, langlebig und reparierbar. Eigenschaften, die es bis heute auszeichnen.

Michael Thonet machte das Wiener Geflecht um 1860 international bekannt, als er es bei seinen Bugholzsesseln einsetzte. Der berühmte Kaffeehausstuhl Nr. 14 wäre ohne das Geflecht nur halb so elegant. Es sorgt für die typische Luftigkeit, federt beim Sitzen leicht nach und altert mit Würde.

In der vintagerie fast immer auf Lager

In der vintagerie in Wien finden sich regelmäßig originale Möbel mit Wiener Geflecht. Aktuell führen wir unter anderem das Thonet-Modell 209 in Schwarz, einen Entwurf, der auch von Le Corbusier geschätzt wurde. Ebenso ein Set von drei Barhockern, Modell 204RH, ebenfalls von Thonet. Beide Modelle zeigen, wie zeitlos das Zusammenspiel aus Bugholz und Geflecht ist.

Wiener Geflecht funktioniert im klassischen Wiener Altbau ebenso wie in modernen Interieurs. Es bringt Struktur in unruhige Räume und Leichtigkeit in schwere Möbel.

Pflegetipp: nasser Fetzen

Echtes Wiener Geflecht besteht aus Naturmaterial und benötigt eine gewisse Luftfeuchtigkeit, um elastisch zu bleiben. Wird es dauerhaft zu trocken, kann es spröde werden und reißen. Ein einfacher Pflegetipp: Ab und zu mit einem leicht feuchten Tuch über die Unterseite wischen. So bleibt das Material geschmeidig und der Sessel kann noch Jahrzehnte, wenn nicht Generationen überdauern.

Wiener Geflecht ist damit nicht nur ein Gestaltungselement der Wiener Möbelgeschichte, sondern ein funktionales Handwerk, das bis heute überzeugt.