Ob als international gefeierter Künstler oder als feinsinniger Kulturwissenschaftler: Markus Schinwald ist ein Meister darin, den Dingen so richtig nahe zu kommen. Er entwirft Welten, die zum Entdecken einladen – sei es in seinen eigenen Werken oder bei der Neuaufstellung der Schausammlung „Wien 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk“ im MAK. Dort erschuf er gemeinsam mit den Kustod:innen Rainald Franz, Sebastian Hackenschmidt, Kathrin Pokorny-Nagel, Anne-Katrin Rossberg, Lara Steinhäußer und Mio Wakita-Elis ein lebendiges Set, in das man förmlich hineingezogen wird. Er hat zwei Jahre lang quasi wissenschaftlich an diesem Thema gearbeitet, tief in den Archiven gegraben und dabei Räume geschaffen, in denen man Laden öffnen und hineinschauen kann – bitte nicht stierln! – und Stoffe nicht nur betrachten, sondern ihre Textur fühlen darf. Es ist diese besondere Herangehensweise, die Schinwalds Arbeit auszeichnet: Sein Gespür für das Unheimliche im Schönen und jene feine Spannung, die oft direkt unter der Oberfläche brodelt. Er besitzt die seltene Fähigkeit, den Fokus in der Unschärfe sichtbar zu machen und sowohl Kunsthandwerk als auch Alltagsobjekten Geschichten zu entlocken, die weit über das Heute hinausreichen. Markus besuchte in seiner Jugend übrigens die Modeschule in Linz, und das sieht man ihm auch an – ein Mann von Welt mit einem untrüglichen Blick für Ästhetik. Im vintagerie-style-fragebogen verrät Markus, was ihm privat gefällt.
Welcher Designkauf ging daneben?
Die Liste ist lang, aber ungeschlagen an der Spitze steht eine Begräbnis-Kutsche aus dem 19. Jahrhundert, die ich in einer sehr schwachen Stunde ersteigert habe.
Wie hältst du’s mit Ordnung?
Wird fragmentiert.
Welches Material fühlt sich für dich einfach richtig an?
Holz und Messing.
Was hängt bei dir an der Wand?
Renaissance an der einen, Konzeptkunst an der anderen und ein Durcheinander dazwischen.
Welche Serie hat den besten Interior-Style?
Boardwalk Empire war ziemlich gut.
Welches Designstück aus einem Film ist dir unvergesslich?
Der Streitwagen aus Mad Max: Furiosa – Ben Hur trifft auf Easy Rider.
Welches Kleidungsstück sagt am meisten über dich aus?
Ein italienisches Sakko mit runden Schultern.
Ein Duft, mit dem du Erinnerungen verbindest?
Joop! – da ziehen alle Peinlichkeiten meiner Jugend durch die Nase.
Welcher Gegenstand darf in deiner Küche nie fehlen?
Was ist eine Küche?
Wie heißt dein Besteck?
Hab oft gefragt, aber nie eine Antwort gekriegt.
Foto: kunst-dokumentation.com/MAK
