Wie es mir gefällt: Stefan Oláh

Wir von der vintagerie mögen die Architekturfotos unseres Freundes Stefan Oláh schon lange: Die Tankstellen, die Würstelstände, die Bilder vom ehemaligen Nationalratssitzungssaal oder vom Gartenbaukino. Sein neues Buch gefällt uns aber besonders. Mit „Eulen, Säulen, Palmen“, erschienen im Verlag Anton Pustet, hat er gemeinsam mit dem Kurator Sebastian Hackenschmidt quasi ein Standardwerk zur Wiener Postmoderne geschaffen, eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme der letzten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts – jener Jahre, in denen Wien plötzlich mutig wurde. In dieser Zeit sorgten die Bauten von Hans Hollein, Gustav Peichl oder Coop Himmelb(l)au international für Furore. Zugleich begannen Architekten wie Hermann Czech, Luigi Blau oder Adolf Krischanitz, die klassische Wiener Moderne völlig neu zu interpretieren. Das Spektrum, das Oláh dokumentiert, reicht dabei von Dekonstruktivismus über Neoklassizismus bis zum Radikalen Eklektizismus und umfasst auch Wohnsiedlungen im Geiste des Roten Wien.

In mehr als 150 Fotografien fängt Stefan rund 50 ikonische Objekte ein: vom Haas-Haus über die Ringstraßen-Galerien bis zur TU-Bibliothek. Er zeigt die architektonischen – wie soll man das nennen? – Sachverhalte genau so, wie sie dem unvoreingenommenen Blick erscheinen, immer ohne Effekthascherei und technische Spielereien. Mit viel Gefühl für den richtigen Standpunkt erfassen seine Bilder die Eigenart der verschiedenen Bauwerke und lassen auch den urbanen Kontext nie außer Acht.

Dieser direkte, unverfälschte Zugang prägt Stefans künstlerische Arbeit. Er konzipiert und fotografiert Bildserien für verschiedenste Kunst-, Kultur- und Wissenschafts-Institutionen. Er widmet sich intensiv der Abbildung von unterschiedlichen Architektur-, Lebens- und Kulturräumen und arbeitet damit an jener spannenden Schnittstelle, an der Kunst, Design, Architektur und Zeitgeschichte aufeinandertreffen.

Dass er ein Auge für Ästhetik und Formensprache hat, beweist Stefan aber nicht nur hinter der Kamera, sondern auch mit seinem persönlichen Geschmack. Wir haben Stefan jedenfalls noch nie stillos erlebt. Hier verrät er, wie es ihm gefällt.

Welches ist das schönste Möbelstück in deiner Wohnung? 
Aktuell ein Set vom Designer Clemens Schillinger, bestehend aus Metallhocker und gefasstem Wandspiegel.

Welches Objekt, das du in der Vintagerie gekauft hast, liebst du besonders? Alle meine Lampen und Leuchten aus der Vintagerie!

Minimalismus oder Maximalismus? 
Weniger ist mehr!

Hast du ein Faible für eine bestimmte Design-Epoche? 
Aktuell die Postmoderne in all ihren Facetten.

Tapeten, weiße Wände oder Graffiti? 
Weiße, glatte Wände!

Stehst du auf Symmetrie? 
Sehr, aber immer mit ein bisserl Unordnung!

Welches Alltagsobjekt ist für dich perfekt gestaltet? 
Meine Uhr für die Belichtungszeiten beim Fotografieren: Eine Omega Speedmaster Reduced. Sie ist seit mehr als 30 Jahren an meinem Handgelenk. Gekauft habe ich sie mir am Wochenende, bevor ich zum Bundesheer einrücken musste, von einer meiner ersten Gagen als Universitätslektor an der Angewandten.

Welcher Gegenstand ist bei dir immer in Griffweite? 
Eine analoge Leica oder Rollei, geladen mit Schwarz-Weiß-Film.

Welcher Ort inspiriert dich? 
Mein Atelier am türkisen Attersee.

Was hängt bei dir an der Wand? 
Schwarz-Weiß-Fotografien von Peter Dressler, Leo Kandl und Julius Shulman.

Welches Kunstwerk hättest du gerne? 
Eine Serie von Bernd und Hilla Becher.

Welche Musik läuft, wenn du die Wohnung putzt? 
„Gold on the Ceiling“ von den Black Keys.

Welches Designstück aus einem Film ist dir unvergesslich? 
Der Propeller aus Holz in „Blow Up“ von Antonioni.

Wonach riechen deine Duftkerzen – oder bist du eher der Typ Räucherstäbchen? Saunaaufguss at home!

Welcher Gegenstand darf in deiner Küche nie fehlen? 
Das schwere Holzbrett mit dem scharfen Messer.

Wie heißt dein Besteck? 
Alessi Dry von Castiglioni.

Womit kann man dir immer eine Freude machen? Mit einem trockenen Grünen Veltliner, kalt serviert.

Foto: Privat