Marianne Kohn ist ein echtes Wiener Original. Und seit dreißig Jahren leitet sie eine Wiener Institution: Die Loos-Bar, die American Bar, die der Architekt und Wegbereiter der Moderne Adolf Loos 1908 unter dem Namen Kärntner Bar gestaltete.
Marianne Kohn hat auch eine Verbindung zu einem anderen großen Wiener Designnamen: Jacob & Josef Kohn, das sind ihre Vorfahren. Vater und Sohn gründeten 1849 eine Tischlerei, die nach dem Auslaufen von Thonets Patent auf Bugholzmöbel zu dessen größtem Konkurrenten wurde – Peter meint, die Qualität von Kohn-Sesseln war sogar noch besser. Kohn arbeitete mit den großen Namen der Wiener Moderne zusammen, darunter Josef Hoffmann und Koloman Moser. Auch Adolf Loos entwarf einen Sessel für die Firma.
Der Grund, warum wir sie gebeten haben, den Vintagerie-Stilfragebogen auszufüllen: Marianne Kohn zeigt, das Style keine Frage des Alters ist – man hat ihn oder man hat ihn nicht.
Wer mehr über Marianne Kohn wissen willst: In dem Podcast „Lebende Legenden – hören, was bleibt“ erzählt sie von ihrem wilden Leben als Filmcutterin in der Cinecittà, als Garderobiere im ersten Motto und als eine Art Personalchefin in den Anfangszeiten des U4. Sie spricht über ihren Stiefvater Marcel Prawy, ihren Unterstützer Niki Lauda und ihren ehemals besten Freund Helmut Lang: https://open.spotify.com/episode/4mkm7DDrZIe7GBgaV5gYkB?si=hdW_i77gRQqR9IHgJtaqwA
Unsere Empfehlung: Wenn Du eine halbe Stunde Zeit hast, gönn Dir einen verlängerten Champagner, also einen gespritzten, und hör Dir die dritte Folge von „Lebende Legenden – hören, was bleibt“ direkt in der Loos-Bar im Kärntner Durchgang in der Innenstadt an. Du kannst aber auch in die vintagerie in die Nelkengasse 4 kommen und bei uns einen Rosé-Sekt trinken.
Welches ist das schönste Möbelstück in deiner Wohnung?
Meine Steiff-Tiere, die ich sammle. Ich kann nichts mehr kaufen, meine Wohnung ist voll davon. Meine Tochter hat gesagt, wenn ich einmal sterbe, macht sie ein Museum daraus. Ich glaub’ ja nicht, dass da jemand kommt, sie schon.
Was hängt bei Dir an den Wänden?
Wahnsinnig viele Bilder, quer durch den Gemüsegarten. Von meiner Freundin Lola Lindenbaum habe ich drei Bilder. Von Sammy Konin habe ich ein riesiges Ölgemälde aus seiner Jugend. Er ist ein begnadeter Maler, der farbenblind ist und trotzdem wahnsinnig gut mit Farben umgeht.
Minimalismus oder Maximalismus?
Maximalismus!
Gibt es ein Alltagsobjekt, das Du perfekt designt findest?
Nein!
Wie hältst Du es mit der Ordnung?
Ich bin eine große Sammlerin. Ich räume aber wahnsinnig gern auf, bis alles picobello ist. Bei mir ist es allerdings nie picobello, weil ich so viel Klumpert habe. Es muss eine chaotische Ordnung herrschen.
Welches Möbelstück erinnert Dich an Deine Kindheit?
Keines – Gott sei Dank.
Abgesehen von der Loos-Bar: Welches ist das am besten eingerichtete Lokal Wiens?
Ich hasse neue Lokale. Ich liebe alte Wirtshäuser und Lokale, die noch genauso sind wie früher.
Hast Du ein Signature-Accessoire?
Meine Yoko-Ono-Sonnenbrille: Porsche Design Carrera 5620, also österreichisches Design. Yoko Ono hat sie immer getragen. Jetzt kann ich sie wieder tragen, weil ich Kontaktlinsen habe.
Foto: Raphael Just
