Teresa Rotschopf ist Musikerin, Soziologin, ehemalige Stylistin und eine der markantesten Stimmen Wiens. Sie weiß Räume mit ihrem Sound zu füllen und zu nutzen. Für ihr aktuelles Album „Currents and Orders“ verbrachte sie drei Tage mit ihren Musiker:innen in einer steirischen Tropfsteinhöhle, die dabei zu einem weiteren Instrument wurde.
Ein Duft, mit dem du Erinnerungen verbindest?
Ich liebe, seitdem ich denken kann, den Geruch von Weihrauch – als Kind habe ich in einem ehemaligen Pfarrhof gelebt, nur 50 Meter von der Kirche unseres Dorfes entfernt. Der Heimweg führte am Kirchentor vorbei und egal zu welcher Tageszeit roch es nach Weihrauch. Im Idealfall war dann noch Probe des Kirchenchores oder der Organistin, dann bin ich meistens in die Kirche abgebogen. Diese Mischung aus Musik, Akustik und Geruch begleitet mich noch immer.
Minimalismus oder Maximalismus?
Ehemaliger Maximalismus auf dem Weg zum Minimalismus – but it’s hard.
Welches Objekt, das du in der vintagerie gekauft hast, liebst du besonders?
Unseren Esstisch, einen alten französischen Bauerntisch – urschwer, uralt und urschön. Esstische sind ja so etwas wie Mitbewohner, mit eigenem Charakter und einer eigenen Stimmung. Die stimmt bei diesem Tisch jedenfalls. Und auch, dass er von Freunden kommt, finde ich sehr schön.
Was hängt bei dir an der Wand?
Eine Mischung aus meinem Leben: gefälschte Picasso-Zeichnungen von einem Flohmarkt in Mexiko-City; eine Adlerfeder, die mir mein Vater geschenkt hat; Fotos; Papierschnipsel, von denen ich nicht mehr weiß, warum sie dort hängen, aber die mir etwas bedeuten. Ein Stück Stoff. Arbeiten von Freunden. Kinderzeichnungen. Keramiken.
Welcher Gegenstand darf in deiner Küche nie fehlen?
Wenn Zitronen als Gegenstände zählen: eine Zitrone.
Welches ist das schönste Möbelstück in deiner Wohnung?
Ich liebe jedes Möbelstück in unserer Wohnung, und hab’ mich über die Jahre von allem, was ich nicht wirklich super fand, getrennt. Durch Zufall habe ich vor Jahren ein sehr schlecht fotografiertes Aldo-Tura-Sideboard im Netz gefunden – das steht nun in unserem Wohnzimmer und könnte vielleicht unser schönstes Möbelstück sein.
Stehst du auf Symmetrie?
Irgendwie ja, und dann macht mich Symmetrie eigentlich auch wieder nervös – als ob man keine Fehler machen dürfte. Und Fehler interessieren mich sehr.
Wie hältst du’s mit der Ordnung?
Ich habe aufgehört damit, an mich und mein Umfeld den Anspruch an totale Ordnung zu stellen. Es gibt eine grundsätzliche Ordnung im Sinne von: jedes Ding hat einen Platz, aber das darf auch durcheinanderkommen. Und es darf auch chaotisch sein. Für kurze Zeit, oder auch ein paar Tage. Aber dann muss es wieder zurück zu einer Ordnung kommen, denn sonst überträgt sich die äußere Unordnung nach innen, und das halte ich nicht aus. Wobei es ja auch oft umgekehrt ist: Das innere Chaos überträgt sich nach außen – dann hilft aufräumen.
Womit kann man dir immer eine Freude machen?
Zeit.
Welches Möbelstück würdest du nie weggeben?
Einen alten sperrigen Bürosessel aus Eisen(!) und Holz, den ich vor vielen Jahren vor der Wohnungstüre meines ehemaligen Nachbarn entdeckt hatte. Er schenkte ihn mir – seither steht er in meinem Studio und wie ein alter Freund, der mich seit vielen Jahren begleitet.
