Wie es mir gefällt: Parvin Razavi

Parvin Razavi ist keine Köchin. Sie ist Creative Head Chef, so steht es jedenfalls auf der Website des Wiener Restaurants „&Flora“ in der Breite Gasse hinterm Museumsquartier. Parvin ist auch keine gelernte Köchin, sondern machte erst in ihren Dreißigern ihre Leidenschaft zum Beruf. Dann aber umso erfolgreicher – drei Hauben. Regionales, saisonales Gemüse und österreichische wie orientalische Gewürze mischt sie zu aufregenden Geschmackserlebnissen; Fleisch ist bei ihr die Beilage. Wer versuchen mag, das nachzukochen: Parvins Buch „Ein Fest für Gemüse“ ist im Brandstätter-Verlag erschienen.
Parvin wurde im Iran geboren und kam mit acht Jahren mit ihren Eltern nach Österreich. Die Prägung durch die traditionelle persische Küche ihrer Mutter schmeckt man noch heute. Aber Parvin ist mehr als eine kreative Küchenchefin. Sie ist eine coole, lebendige, clevere Frau, die auch außerhalb der Küche Geschmack hat. Deshalb freut es uns sehr, dass sie unseren Fragebogen ausgefüllt hat.

Welches ist das schönste Möbelstück in deiner Wohnung?
Mein Hemingway Armchair aus schwarzem Leder. Groß, schwer, ein bisschen übertrieben – aber genau deshalb liebe ich ihn. Ich habe schon unzählige Stunden in diesem Stuhl verbracht.

Welches Möbelstück würdest du nie weggeben?
Wahrscheinlich ebenfalls meinen Hemingway Armchair. Ich mag Möbel, die mit dem Alter besser werden – Patina haben, und ich finde, ein Möbelstück darf zeigen, dass darin gelebt wurde. Dass es die eigene Geschichte mitgeatmet hat.

Gibt es ein Erbstück, das du besonders schätzt? Welches Möbel erinnert dich an deine Kindheit?
Meine Perserteppiche. Sie sind für mich keine Dekoration, sondern Teil meiner Kultur. Ich bin mit ihnen und auf ihnen aufgewachsen. Sie bringen Farbe, Geschichte und Wärme in einen Raum und für mich immer auch ein Stück Herkunft. Dort, wo meine Teppiche liegen, da bin ich auch zu Hause.

Minimalismus oder Maximalismus?
Irgendwo dazwischen. Ich mag keine vollgestellten Räume, aber Minimalismus wäre mir viel zu steril. Ich möchte Kunst, Bücher, Teppiche und Dinge mit Persönlichkeit um mich herumhaben.

Hast du ein Faible für eine bestimmte Design-Epoche?
Irgendwo zwischen Bauhaus und den 70ern. Ich weiß, zwei sehr unterschiedliche Welten – das Reduzierte, Funktionale auf der einen Seite und die Formen, Farben und Materialien der 70er auf der anderen.

Welche Farbe macht dich glücklich?
Alle erdigen Farben. Wenn ich zum Beispiel koche, ist in meinen Gerichten eine klare Farbensprache erkennbar, und die besteht oft aus erdigen, warmen Tönen.

Tapeten, weiße Wände oder Graffiti?
Bei mir zu Hause: weiße Wände, obwohl ich bunte Wohnungen auch sehr mag.

Stehst du auf Symmetrie?
Ich bin weniger der sterile Typ, zu viel Symmetrie wirkt auf mich schnell inszeniert. Ich mag Räume, die sich über die Zeit, in der man in ihnen lebt, entwickelt haben und nicht aussehen, als wären sie in einem Zug eingerichtet worden.

Wie hältst du’s mit Ordnung?
Ich mag Ordnung, aber keine sterile Perfektion. Ein Zuhause darf und soll bewohnt aussehen. Und wenn man Kinder hat, hat man sich ohnehin von wirklicher Ordnung verabschiedet.

Welches Material fühlt sich für dich einfach richtig an?
Holz und Leder. Materialien, die altern dürfen und mit der Zeit schöner werden.

Welcher Ort inspiriert dich?
Meine Gemüsebauern liefern mir Woche für Woche das schönste Gemüse und inspirieren mich zu neuen Gerichten. Sonst auch Reisen, Neues entdecken, und manchmal auch einfach nur fad in die Luft schauen – da sind mir auch schon super Ideen gekommen.

Was hängt bei dir an der Wand?
Kunst von Michi Lukas, Sophie Esslinger und Alexander Ruthner. Ich lebe sehr gerne mit Kunst, sie muss etwas mit mir machen und in meine Wohnung passen.

Welches Kunstwerk hättest du gerne?
Es gibt vieles, das mir gefällt – aktuell habe ich mich in Maryam Hassanpours Kunst verliebt und möchte mir da etwas zulegen.

Welcher Gegenstand darf in deiner Küche nie fehlen?
Ich glaube, das ist ganz einfach: ein scharfes Messer. Ohne das macht Kochen einfach keinen Spaß. Dann noch eine schöne Auswahl an unterschiedlichen Gewürzen, Ölen und Essigen.

Womit kann man dir immer eine Freude machen?
Mit etwas Schönem, etwas, worüber man sich Gedanken gemacht hat. Kann alles sein. Manchmal tausche ich auch Kunst gegen Kochen.

Foto: Florence Metzler