Die Filmregisseurin Jessica Hausner hat einen unverwechselbaren Stil. Sie verbindet formale Strenge mit einer bewusst distanzierten Erzählweise, die den Zuschauer:innen Raum für eigene Deutungen lässt. Geboren 1972 in Wien, studierte Hausner Regie an der Filmakademie Wien und etablierte sich früh im internationalen Autor:innenkino. Erste Anerkennung erhielt sie mit „Lovely Rita“, es folgten „Hotel“, „Lourdes“, „Amour fou“, „Little Joe“ und zuletzt „Club Zero“, die alle bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurden. Für ihre Filme konnte sie immer wieder internationale Stars gewinnen, darunter Isabelle Huppert, Emily Beecham oder Valeria Bruni Tedeschi.
Eine zentrale Rolle für die visuelle Wirkung ihrer Arbeiten spielt das Kostümbild: Dieses wird durchgehend von ihrer Schwester Tanja Hausner gestaltet. Die Kostüme sind bewusst reduziert, präzise auf Figuren und Räume abgestimmt und folgen einer klaren Farb- und Formensprache, die psychologische Zustände und soziale Ordnungen sichtbar macht. Kleidung dient in Hausners Filmen nicht der Dekoration, sondern ist Teil der Erzählung. Heraus kommt eine irritierende bis hypnotisierende, jedenfalls aber faszinierende Atmosphäre.
Minimalismus oder Maximalismus?
Ich schätze Minimalismus sehr, da ich gerne genug Raum für meine Gedanken habe. Wenn zu viele Dinge herumstehen, fühle ich mich abgelenkt und eingeengt. Ich schaue gerne auf eine weiße Wand.
Wie hältst du’s mit Ordnung?
Ich halte gerne Ordnung in meiner Wohnung, in meinem Büro und in der Inszenierung meiner Filmbilder. Wobei ich Ordnung vielleicht durch den Begriff „Gestaltung“ ersetzen würde. Das absichtsvolle Platzieren von Objekten macht mir Spaß und es vermittelt mir ein Gefühl von Geborgenheit. Auch wenn es nur wenige Gegenstände sind. Zu ahnen, dass sie mit Bedacht dorthin gestellt wurden, beglückt mich.
Was hängt bei dir an der Wand?
Ich habe nur Kunst, die abstrakt oder reduziert oder fotorealistisch ist. Wenn sich das Ego eines Künstlers (hier gendere ich nicht) hervortut, fühle ich mich durch die Kunst belästigt. Also zumindest, wenn ich sie täglich sehe.
Ein Song, der immer geht?
Ich muss zugeben, dass ich mit der Musik der Beatles aufgewachsen bin und heute noch starke Erinnerungen und Gefühle mit manchen Songs verbinde. Come Together oder Lucy in the Sky with Diamonds …
Liebster Film für einen Sonntag auf dem Sofa?
Ich liebe Science-Fiction-, Horror- und Fantasyfilme. Auch als Serien. Also Stranger Things oder Solaris – geht beides.
Welche Serie hat den besten Interior-Style?
Severance. Schön abstrakt und überhöht. Passt zur Story.
Welches Designstück aus einem Film ist dir unvergesslich?
Der Obelisk aus 2001: Odyssee im Weltraum. Und das Penis-Objekt, mit dem der Psychokiller in A Clockwork Orangedas Ehepaar in ihrem einsamen Haus bedroht.
Ein Duft, mit dem du Erinnerungen verbindest?
Ein Parfum von Serge Lutens (Borneo), das ich während der Schwangerschaft getragen habe, erinnert mich an leichte Übelkeit und antialkoholische Partys.
Wonach riechen deine Duftkerzen – oder bist du eher der Typ Räucherstäbchen?
Den Feigenduft von Diptyque mag ich am liebsten. Da wir keinen Adventkranz hatten, haben wir dieses Jahr vier verschiedene Diptyque-Duftkerzen im Kreis aufgestellt. Krasses Duftgemisch.
Womit kann man dir immer eine Freude machen?
Ein interessanter Roman oder eine gute Flasche Weißwein. Lippenstift geht auch.
