Lobmeyr: Nie funkelt Wien schöner

Als die Luster 1966 in New York montiert wurden, war die Leitung des Opernhauses ganz schön nervös. Das Design war so radikal, dass man fürchtete, die Abonnent:innen der Oper könnten protestieren. Doch als die Luster beim ersten Vorhang langsam nach oben an die Decke schwebten – ein technisches Novum, bei dem die Lichtskulpturen wie ferne Sonnen und Planeten hinauf glitten schwebten – gab es spontane Standing Ovations. Das Publikum feierte an diesem Abend nicht die Sänger:innen, sondern das funkelnde Handwerk aus Wien. Es war die Geburtsstunde des „Met-Lusters“, eines Objekts, das heute stellvertretend für den Namen J. & L. Lobmeyr steht.

Eine Institution in der Kärntner Straße

Hinter diesem einen Moment in Manhattan steht eine Philosophie, Lobmeyr seit über 200 Jahren prägt. Man war nie nur ein Glasgeschäft; es war immer ein Labor der Avantgarde. Seit 1823 residiert das Unternehmen in der Kärntner Straße 26 – gegründet von Josef Lobmeyr sen., der den Betrieb vom kleinen Handelshaus zur Weltmarke formte. Heute wird dieser Anspruch von den drei Cousins Andreas, Leonid und Johannes Rath in sechster Generation fortgeführt.

Während andere Familienunternehmen in Tradition erstarrten, suchten die Lobmeyrs stets den Kontakt zu jenen, die die Welt neu erfanden. In der Kärntner Straße sowie in spezialisierten Manufakturen in und um Wien werden Trinkgläser, Luster und Spiegel gefertigt, die heute im MoMA in New York ebenso zu finden sind wie einst in der kaiserlichen Hofburg. Hier wird das Handwerk des Mundblasens, des filigranen Kupferradierens und des Handschliffs nicht nur konserviert, sondern als lebendige Kunstform begriffen. Lobmeyr hat es geschafft, vom k.u.k. Hoflieferanten zum Fixstern der internationalen Designwelt aufzusteigen, ohne die Wurzeln im Wiener Boden zu verlieren.

Das Licht bändigen: die Edison-Sensation

Dieser Mut, das Alte zu ehren und das Neue zu erzwingen, zeigt sich nirgends deutlicher als in der Geburtsstunde des modernen Lichts. 1883 fand in Wien die erste „Internationale Elektrische Ausstellung“ statt, und Ludwig Lobmeyr tat sich doch tatsächlich mit Thomas Edison zusammen. Gemeinsam entwickelten sie für die Wiener Hofburg die ersten elektrischen Luster der Welt. Doch es war ein Schock für die Augen der damaligen Zeit. Das neue Licht war unbarmherzig, kalt und grell – ganz anders als das warme, gnädige Flackern der Kerzen. In dem harten Strahl wirkten die prunkvollen Barock-Luster plötzlich plump und staubig. Anstatt die neue Technik abzulehnen, reagierte Lobmeyr mit gestalterischer Brillanz: Er änderte den Schliff des Glases so, dass er das harte Licht der ersten Glühbirnen in tausend kleine Spektren brach. Lobmeyr hat die Elektrizität durch Kristall „gezähmt“ und damit das moderne Lichtdesign überhaupt erst ermöglicht.

Ikonen für den Alltag und die Ewigkeit

Aus dieser Innovationskraft entstanden jene Objekte, die heute als Bestseller weltweit in den besten Häusern stehen. Da ist zum einen das Trinkservice No. 248, besser bekannt als das „Loos-Glas“. Adolf Loos entwarf es 1931 und verzichtete auf jede Dekoration, bis auf den feinen Schliff am Boden. Ein Entwurf, der so modern ist, dass man kaum glauben kann, dass er bald 100 Jahre alt wird.

Und eben der Met-Luster von Hans Harald Rath. Die „Sputnik“-Form mit ihren strahlenförmigen Glasarmen und Swarovski-Kristallen ist heute ein globales Symbol für Luxus. Es ist die Perfektionierung der Idee aus der Edison-Zeit: Der Luster ist nicht mehr nur ein Träger für Lichtquellen, er wird selbst zur Lichtquelle.

Lobmeyr in der vintagerie

In der vintagerie gibt es natürlich immer wieder Lobmeyr-Luster, aber nicht ständig. Diese Stücke lassen sich halt nicht erzwingen; sie tauchen nur dann bei uns auf, wenn wir ein wirklich herausragendes Original gefunden haben. Wer bei dann einen Lobmeyr kauft, bekommt aber auch kein gewöhnliches Möbelstück, sondern eine Mezzie, die Jahrzehnte überdauert hat und nun in einem neuen Zuhause das Wiener Funkeln weiterträgt. Man sollte allerdings nicht zu lange zaudern: So hell sie bei uns auch strahlen, so schnell sind sie immer auch wieder vergeben.